ich habe lange nichts mehr von mir hören lassen. Keine Angst, ich lebe noch.
Allen, die sich sehensüchtig nach meinen Berichten verzehrt haben, den sage ich: Internet in Benin macht keinen Spaß...Aber eure Neugier soll nun gestillt werden...
Jetzt wohne ich also in Bassila. Am Freitag bin ich mit Yaya im Nati ins Taxi gestiegen. Ein so genanntes „Auto“. Sieben Leute im einem alten Opel corsa. Aber das war die harmlose Tour nach Djougou. Die 80 km von dort nach Bassila sind wir zu elft (!) - acht Erwachsene, drei Kinder- gefahren. Das war echt grenzwertig. Auch weil es unterwegs dunkel wurde und der Himmel die Schleusen geöffnet hat...Jetzt weiß ich, warum es so etwas wie ein Nachtfahrverbot gibt...
Dann will ich also versuchen, meine Wohnung zu beschreiben... Wenn ich Glück habe, dann schaffe ich es vielleicht, einige Fotos hoch zu laden. Ich hoffe es sehr...
Meine Wohnung ist die mittlere von dreien, die in einer Art Reihenhaus untergebracht sind. Reihenhaus klingt ein bisschen blöd, aber na ja... Das ganze ist auf dem Gelände einer Herberge, weshalb ich von neugierigen Kindern und nicht weniger neugierigen Eltern relativ sicher bin. Vielleicht hilft auch das Wissen um den Polizeikommissar, der mein Nachbar ist, aufdringliche Menschen fern zu halten. Den bei aller Nächstenliebe: Afrikanische Bekannte können sehr anstrengend sein. Der ein oder Andere weiß vielleicht, wovon ich reden.
Aber zurück zur Wohnung.
Meine eigentliche Wohnung besteht aus drei Räumen.Wenn man reinkommt steht man in der Wohnstube. Einem länglichen Raum, der mit zwei Sesseln, einer Kommode mit Fernseher und einem Tisch und zwei Stühlen „eingerichtet“ (es sieht alles etwas kahl aus – ich werde mir noch was einfallen lassen müssen) ist. Direkt dem Eingang gegenüber befindet sich ein Gang, aus dem links und rechts zwei identische Zimmer abgehen. In dem rechten steht mein Bett und ein Ding zum Hemden aufhängen. Das linke ist komplett leer. In meiner Not hab ich dort alles rein geworfen, was irgendwie weich ist um eine Liegeecke zu kreieren, meine Bemühungen sehen allerdings erbärmlich aus. Wenn jemand Ideen hat, dann bitte per Mail zu mir =) Momentan ist es der Abstellraum für alles.
Wenn man durch die Tür am Ende des Flures geht, dann kommt man in meine kleinen Innenhof. Dort wasche ich Wäsche, hänge sie oder koche manchmal. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass er nur 6m² groß ist und ich die graue Betonmauer nicht überblicken kann ist er nicht ganz so einladend. Links dieses Hofes befindet sich mein Bad. Also eigentlich mein Klo mit der Dusche direkt darüber. In Wahrheit sieht es nämlich so aus, dass die Toilette immer nass wird, wenn ich dusche. Aber es reicht ja. Außerdem ist bei diesen Temperaturen alles schnell wieder trocken, wenn es nicht gerade regnet. Das Wellblechdach ist nämlich nicht besonders dicht.
Rechts ist die Küche. Als ich eingezogen bin war es ein leerer, 2m x 2m großer Raum mit Spühle. Mittlerweile ist es ein nicht mehr ganz so leerer, 2m x 2m kleiner Raum mit einem Tisch und einer Butanflasche auf der ein Campingkocher- Aufsatz einen Herd ersetzen soll. Ich bin gespannt, wie ich koche, wenn ich Besuch bekomme...
Alles in allem keine zu wohnliche Wohnung, aber ich habe ja Zeit, mich einzurichten. Das einzige was fehlt, ist eigentlich ein Mitbewohner. Denn für mich allein ist das alles zu groß. Ich habe viel zu viel Platz und die Leere ist manchmal schon belastend zumal ich mich etwas unwohl bei dem Gedanken fühle, dass der Polizeichef neben mir mit seiner Frau und den 4 Kindern gerade mal die Hälfte von mir zur Verfügung habe. Der Polizeichef! Aber an diese Art Gastfreundschaft muss man sich wohl gewöhnen.
Ganz so allein bin ich ja auch gar nicht. Es gibt Mäuse in meiner Küche, die es mittlerweile geschafft haben den Deckel meiner Haferflocken durch zubeißen und diese halb leer zu essen.
Dann gibt es Marti, die Eidechse mit dem roten Kopf, die lockere 30 cm lang ist und jeden Tag auf meiner Mauer chillt (benannt nach Marti Pellow – den hab ich gehört, als ich sie das erste mal gesehen habe).
Und dann gibt es noch das „Wesen der Zwischendecke“... =) Mein Zimmer hat eine Zwischendecke aus Sperrholz. Und jede Nacht kriecht da oben lautstark etwas herum und raubt mir meine Schlaf. Ich habe ihm gedroht, dass ich Suppe aus ihm mache, wenn ich es erwische, aber das hat wenig geholfen. Ich vermute ja die Mäuse hinter dieser Aktion – denn wer fähig ist meine Haferflocken zu klauen, der kriecht auch in Zwischendecken rum...ich werde wohl bald andere Saiten aufziehen müssen...und es wird Tote geben!!!! =)
Also alles in allem geht es mir bestens. Und so langsam lebt man sich doch ein, denn nun merke ich, dass es doch kein Urlaub ist sondern etwas länger...Noch 49 Wochen ab heute...
Alles Liebe aus dem kalten Benin (lockere 28*C, aber alle sagen, es ist kalt)
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